Lade-Mythen

Mythos: Langstrecke ist aufgrund der Ladepausen und „geringen“ Reichweite nicht möglich.

By 12 February 2019 No Comments

Und wenn ich mal nach Rom muss?

Mythos: Langstrecke ist aufgrund der Ladepausen und „geringen“ Reichweite nicht möglich.

Wer ein Auto hat, möchte auch hin und wieder auf große Tour gehen. Für Verbrenner gibt es aktuell ca. 15.000 Tankstellen. Dieses Netz ist in den letzten 100 Jahren langsam gewachsen.

Parallel dazu entsteht gerade ein Schnellladenetz für E-Autos auf Fernstrecken, in mehreren Stufen. Ein Basis-Netz umspannt bereits fast das ganze Autobahn-Netz.

Die Anfänge – SLAM und Schaufenster – 50kW

Bis 2012 gab es praktisch nichts, außer einigen Hotels, die für Gäste eine Lademöglichkeit über Nacht angeboten haben. Im Rahmen einer Initiative der Bundesregierung – „Schaufenster Elektromobilität“ – und dem Forschungsprojekt „SLAM“ (Schnellladenetz für Achsen und Metropolen) wurden von 2012 bis 2016 die ersten Schnelllader entlang der Autobahnen aufgestellt. „Schnelllader“ ist hier schon hoch gegriffen, die Ladeleistung von maximal 50kW / 330 km pro Stunde ist „okay“. Mit Hilfe dieses Netzes war es zumindest schon möglich an einem (langen) Tag von Hamburg nach München elektrisch zu fahren. Da an vielen Standorten nur eine einzelne Säule aufgestellt wurde, die auch gerne mal zugeparkt war musste man einiges an Geduld mitbringen. Eine Grundversorgung. Das Netz steht heute noch, und für Reservefälle ist es ganz hilfreich. Im Ausland gibt es ähnliche Initiativen. Wichtig bei Fernreisen ist sich vorher zu informieren wie man bezahlen kann an den Säulen. In Holland bei FastNED braucht man eine App, in Deutschland eine Karte, manche sind gratis – das Ganze ist noch nicht einheitlich.

Tesla Supercharger Netzwerk – 135kW

Tesla hat parallel ohne Förderung in Eigenregie sein eigenes 135kW Netz aufgebaut, das mit 600-800km/Stunde deutlich mehr Leistung bereitstellt.

Tesla Supercharger-Netz im Ausbau-Stand 01/2019 (Quelle: tesla.com)

Mit dem Netz kommt man bequem vom Nordkap bis Neapel – es ist flächendeckend, mit einer Akkuladung erreicht man auf jeden Fall den nächsten Standort. An jedem „Supercharger“-Standort sind zwischen 3 und 40 Ladepunkte so dass es nur selten zu Wartezeiten kommt. Zudem kann man im Tesla sehen ob die Säulen belegt sind und ggf. einen anderen Standort anfahren.

Die neue Generation – 350kW

Im Jahr 2016 war absehbar, dass die Elektromobilität bleibt, und seit 2018 werden Schnelllader entlang der Fernstraßen gebaut, die bis zu 350kW liefern, das Siebenfache des ersten Netzes. Noch gibt es gar keine Fahrzeuge, die diese Leistung überhaupt aufnehmen können. im Dezember 2018 konnten Porsche und BMW mit Prototypen erstmals solche Ladevorgänge außerhalb des Labors in freier Wildbahn vorführen. 350kW verspricht Ladevorgänge die ähnlich schnell wie tanken ablaufen. Bis die ersten Autos auf dem Markt sind die das auch verarbeiten können wird noch einige Zeit vergehen. Die Hersteller müssen die Abwärme, die dabei entsteht, aus dem Autoakku transportieren, und es macht aktuell wenig Sinn eine so groß dimensionierte Kühlung zu verbauen für die seltenen Momente des 350kW ladens.

Ladesäulen finden und Plan B

Praktisch alle E-Autos haben im Navigationsgerät die Möglichkeit passende Ladesäulen anzuzeigen. Manche können sogar dynamisch Ladestopps in die Routenplanung mit einzubauen, zum Teil inklusive der Lade-Dauer. Bei diesen Modellen wird die Ankunftszeit inklusive der Ladepausen berechnet. Bei manchen Ladesäuen wird auch angezeigt ob diese frei sind.

Onboard-Navis haben jedoch oft den Nachteil nicht ganz auf dem neuesten Stand zu sein. Websites wie goingElectric.de mit ihrem Routenplaner, oder moovility.me, oder seit neuestem auch Google und Apple Maps können hier bei der Planung helfen. Wichtig bei allen Websites ist sich vor einer Reise auch einen Plan B und C zurecht zu legen für den Fall, dass eine Säule defekt oder belegt ist. Nichts ist schlimmer als irgendwo im Outback ohne Handy-Empfang nach einer Ersatz-Säule suchen zu müssen.

Zusammenfassung

Nach Rom kommt man heute schon mit dem E-Auto, je nach Modell unterschiedlich komfortabel. Vor der ersten langen Fahrt sollte man sich im Internet ein paar Säulen raussuchen, spätestens beim zweiten Mal kennt man sich so gut aus, dass man auch ohne große Vorbereitung die Reise antreten kann. Bei einem Weg über den Brenner sollte der Akku mindestens 33 kWh groß sein, alles andere macht keinen Spaß. Auf dem Brenner gibt es Lademöglichkeiten für alle E-Autos, und in Italien kommt man durch das Tempolimit dann auch deutlich weiter als hier. Wichtig ist sich vorab schlau zu machen wie man an den Säulen bezahlen kann, Informationen dazu gibt es im Internet, z.B. bei. chargemap.com oder goingelectric.de